

Frauscher Sensor Technology hat seine Veräußerung an die Wabtec Corporation abgeschlossen.
Mehr erfahrenBenachrichtigungscenter


Michael Zweimüller
29. Jan. 2026 | 6 Minuten Lesezeit
Das Digirail Projekt in Finnland ist das erste seiner Art in Europa: Die Beschaffung des Leit- und Sicherungssystems wurde hier erstmals in Stellwerk und Feldelemente aufgeteilt. Ein Schritt in Richtung Zukunft, der viele Vorteile und einige Herausforderungen mit sich bringt – die durch gute Zusammenarbeit und Kommunikation gelöst werden. Das zeigte sich etwa bei den jüngst umgesetzten Integrationstests der Signaltechnikkomponenten, die an der Strecke zum Einsatz kommen werden. Der Prozess, dem die beteiligten Unternehmen dabei folgten, könnte europaweit Schule machen.
Die Vorteile einer offenen Systemarchitektur, in der unterschiedliche Komponenten verschiedener Hersteller verbaut und vernetzt werden, liegen für Bahnbetreiber auf der Hand. So verändert der wachsende Wettbewerb etwa die Preisgestaltung. Darüber hinaus ermöglicht sie eine flexiblere Planung von Wartungsarbeiten. Auch Erweiterungs- und Modernisierungsprojekte sind dadurch einfacher zu realisieren: Die steigende Modularität erlaubt die Erneuerung von Subsystemen, ohne einen kompletten Austausch des Signalsystems. Damit verringern sich Planungs- und Zulassungsaufwände signifikant. Die Finnish Transport Infrastructure Agency FTIA nimmt eine Vorreiterrolle ein und setzt ein zukunftsorientiertes Projekt um, in dem alle entsprechenden Aspekte zur Geltung kommen – was auch neue Herausforderungen einschließt.

„Das Digirail Projekt in Finnland wird vom europäischen Bahnmarkt mit Spannung verfolgt – und es freut uns, dass wir gemeinsam mit MIPRO Oy unseren Beitrag leisten können“, sagt Harald Murauer, Head of Sales AT bei Frauscher Sensor Technology.
Er ist überzeugt: „Wie alle Pioniere stehen wir in der Umsetzung natürlich vor verschiedenen Herausforderungen – und lernen aus jedem Schritt. Klar ist, dass durch die offene Systemarchitektur viel Kompetenz aller Beteiligten hinsichtlich der Integration einzelner Komponenten, besonders aber auf Seiten der Betreiber erforderlich sein wird. Um das zu stemmen, arbeitet die FTIA eng mit allen involvierten Unternehmen zusammen.“
Das zeigte sich bei den Integrationstests im Ratateknisen Oppimiskeskus (ROK), dem Lernzentrum für Gleistechnik in Kouvola. Dank des Aufbaus vor Ort, fanden erste Tests hier zwischen Oktober und November 2025 unter realen Bedingungen statt. Die im ROK verfügbaren Gleise und Weichenantriebe entsprechen denen im Feld. Die signaltechnischen Abläufe werden hier bereits über die Siemens Stellwerksplattform DS3 gesteuert, welches auch im Digirail Projekt zum Einsatz kommt.

Jetzt teilen!

Project Manager, ERTMS Program, Finnish Transport Infrastructure Agency
Frauscher liefert eine integrierte Object-Controller-Lösung für die geplante Signaltechnikanlage. Die Zugdetektionslösung FAdC® übernimmt gemeinsam mit dem Frauscher Connect Device die Funktion eines TDS Object Controllers. Ergänzt durch die neu entwickelte Weichensteuerung FAdP Point stellt Frauscher eine ganzheitliche Object-Controller-Lösung bereit.

Ein Expertenteam führte in Kouvola Tests zur Stellwerksintegration sowie zur Schnittstellenkonformität der entwickelten Lösungen mit dem Relesoft-Testsystem durch. Schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass sich die umfassenden Vorbereitungsarbeiten bezahlt gemacht hatten: Die Frauscher Object Controller lieferten unmittelbar nach Aktivierung und Konfiguration exakte Ergebnisse.
Auch die neue Lösung zur Weichensteuerung, FAdP Point, erfüllte ihre Aufgaben problemlos. In verschiedenen Simulationen wurden davor bereits unterschiedliche, fiktive Stellwerksbefehle korrekt verarbeitet – jedoch ohne Weitergabe an eine physische Weiche. Nun wurden Fakten geschaffen: Verschiedene Weichenantriebe von Siemens konnten über den etablierten EULYNX-Schnittstellenstandard SCI-P problemlos gesteuert und überwacht werden. Befehle vom Stellwerk wurden korrekt verarbeitet und weitergegeben. Spannend war vor allem die Überwachung der Weichenendlage. Der Test mit realen Konfigurationsparametern bestätigte, dass diese auch unter realen Bedingungen problemlos funktioniert.
Ein wichtiger Baustein in der Etablierung digitaler Stellwerke und netzwerkbasierter Systemarchitekturen ist natürlich das Thema Cyber Security. „Der EULYNX-Schnittstellenstandard bietet dahingehend eine großartige Basis“, meint Stefan Neudorfer Product Security & Network Manager bei Frauscher: „Neben der nahtlosen Integration unterschiedlicher Komponenten ist die Verknüpfung von Safety und Security eine der größten Herausforderungen, der sich die Bahn bei zunehmender Digitalisierung im Signaltechnikbereich gegenübersieht. Das Projekt in Finnland zeigt, dass wir hier mit unserer Lösung am richtigen Weg sind. Insgesamt wird es in der Branche an manchen Stellen ein Umdenken brauchen. Umgekehrt wird es aber natürlich auch neue Ansätze im Security-Bereich benötigen, um den Ansprüchen eines sicheren Bahnverkehrs gerecht zu werden.“
Dementsprechend war ein wesentliches Ziel der Integrationstests im ROK auch die Konfiguration sicherer Kommunikationskanäle. Nachdem die Parameter sämtlicher Schnittstellen mit dem Siemens Stellwerk in einer Konfigurationsphase angepasst wurden, implementierte das Frauscher Team einen Security Layer für die verschlüsselte Kommunikation zum Stellwerk. „Wir waren auch hier gut vorbereitet und hatten eine Plug-and-Play-Lösung in der Tasche“, erzählt Neudorfer – und zieht ein positives Resümee: „Auch hier haben meine Kollegen vor Ort gesehen, dass sich die intensive Entwicklungsphase bezahlt gemacht hat. Unsere Lösung hat praktisch sofort funktioniert.“
Damit konnte das Frauscher Team bei seiner Abreise ein fertig integriertes und konfiguriertes System hinterlassen. Dieses wird im nächsten Schritt von den zuständigen Experten der FTIA auf Herz und Nieren geprüft. Nach Abschluss der entsprechenden Verfahren geht es ins Feld, wie Harald Murauer zusammenfasst: „Dank der guten Zusammenarbeit mit Siemens, MIPRO, Relesoft und der FTIA konnten wir bisher alle Projektschritte zeitgerecht und erfolgreich abschließen. Nun freuen wir uns, wenn alle Komponenten entlang der Digirail Strecke im Feld installiert und in Betrieb genommen werden – was in der ersten Hälfte dieses Jahres der Fall sein wird.“

Jetzt teilen!

Jetzt teilen!