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Frauscher Marketing
04. Aug. 2026 | 7 Minuten Lesezeit
Bahnsysteme werden von Jahr zu Jahr vernetzter. Mit dieser Vernetzung wächst die gemeinsame Verantwortung für Cybersecurity entlang der gesamten Lieferkette. Um zu verstehen, was dieser Wandel in der Praxis bedeutet, haben wir mit Florian Einböck, Head of Portfolio Strategy bei Frauscher Sensor Technology, gesprochen. Im Anschluss an die kürzlich erteilte Zertifizierung nach IEC 62443-4-1:2018 für den Frauscher Secure Development Lifecycle, ausgestellt von TÜV Süd am 7. Mai 2026, teilt Florian seine Einschätzungen zu den Herausforderungen, denen sich die Bahnbranche künftig stellen wird – auch im Hinblick auf den EU Cyber Resilience Act –, und dazu, wie Zulieferer wie Frauscher Cybersecurity heute angehen.

Bahnnetzwerke entwickeln sich hin zu verteilten Systemarchitekturen, offener Netzwerkkommunikation und Datenaustausch in Echtzeit zwischen Betriebstechnologie (OT) und IT-Umgebungen. Diese Veränderungen bringen echte Effizienzgewinne mit sich, weiten aber gleichzeitig die Angriffsfläche aus. Es reicht nicht mehr aus, wenn eine einzelne Partei in der Lieferkette Verantwortung übernimmt. Hersteller müssen Schutzmaßnahmen bereits in den frühesten Designphasen in ihre Produkte integrieren. Integratoren müssen diesen Schutz bis in die fertige Installation tragen. Betreiber wiederum benötigen organisatorische Maßnahmen wie Zugangskontrolle und Patch-Management, um Systeme über ihre gesamte Lebensdauer hinweg sicher zu halten.
Dieser Wandel spiegelt sich auch in der Regulierung wider. Der EU Cyber Resilience Act trat im Dezember 2024 in Kraft. Er führt verpflichtende Cybersecurity-Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen ein, die auf dem EU-Markt bereitgestellt werden. Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen gelten ab dem 11. September 2026. Die übrigen Kernpflichten – darunter wesentliche Sicherheitsanforderungen, technische Dokumentation und CE-Kennzeichnung – treten ab dem 11. Dezember 2027 in Kraft. Bahnspezifische Normen wie IEC 62443 und die daraus abgeleitete TS 50701 übersetzen diese Anforderungen in konkrete Maßnahmen, die auf safety-kritische Umgebungen zugeschnitten sind.
Digitale Signaltechnik mit IP-basierter Steuerung von Feldelementen ist ein wesentlicher Treiber für Kapazitätssteigerungen bei niedrigeren Gesamtbetriebskosten und für höhere Verfügbarkeit durch vorausschauende Wartung. Wir entwickeln unser Portfolio seit Jahren in diese Richtung – und Cybersecurity muss dabei von Beginn an ein zuverlässiger, integrierter Bestandteil dieser neuen Architekturen sein.

Frauschers Fokus auf Cybersecurity wuchs, als das Unternehmen sein Portfolio über Feldelemente hinaus auf software- und netzwerkbasierte Lösungen ausweitete – darunter Frauscher Insights und Frauscher Connect. Sichere Netzwerkkommunikation war dabei stets ein zentrales Thema. Der Fokus auf Cybersecurity wuchs im Laufe der Zeit im gleichen Maß, wie er das in der gesamten Bahnindustrie tat. Heute verfügt Frauscher über umfassendes internes Fachwissen. Ein eigenes Product Security & Network Team trägt die Verantwortung für Cybersecurity-Maßnahmen über den gesamten Produktlebenszyklus – einschließlich Schwachstellenmanagement und Penetration-Tests.
IEC 62443-4-1 bestätigt, dass unser Entwicklungsprozess Cybersecurity-Anforderungen in jeder Phase berücksichtigt – nicht erst am Ende. Es werden drei Grundprinzipien geprüft: Security by Design bedeutet, dass relevante Sicherheitsaspekte von Beginn an berücksichtigt und dokumentiert werden. Security by Default bedeutet, dass Produkte mit sicheren Konfigurationen und Einstellungen ausgeliefert werden. Security in Implementation umfasst die Tests und Dokumentation, die für den sicheren Betrieb eines Systems erforderlich sind.


Das Frauscher Product Security Incident Response Team (PSIRT) bearbeitet Schwachstellen in bereits ausgelieferten Produkten und veröffentlicht entsprechende Security Advisories auf der Frauscher PSIRT-Seite unserer Website. Auch externe Akteure können Erkenntnisse direkt an das PSIRT melden – ein Ansatz, der auf Transparenz und Zusammenarbeit bei der Offenlegung von Sicherheitslücken setzt.
Ein wichtiger Teil dieser Arbeit besteht darin, aktuelle Anforderungen sowohl auf bestehende als auch auf neue Produkte anzuwenden. Der Frauscher Advanced Counter FAdC® wurde beispielsweise entwickelt, bevor Secure-by-Design-Prinzipien zum Standard wurden. Dennoch lässt er sich an aktuelle Cybersecurity-Anforderungen anpassen, ohne seinen safety-kritischen Kern neu gestalten zu müssen.
Ganz klar: durch aktive Mitarbeit in entsprechenden Arbeitsgruppen und Organisationen wie VDB und CENELEC. Bei Frauscher verstehen wir uns als aktiven Teil der Cybersecurity-Community in der Bahn – nicht nur als Unternehmen, das auf neue Regularien reagiert. Der Austausch mit Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen fließt direkt in unsere Produktentwicklung ein. Neue Lösungen werden von Beginn an cybersicher konzipiert, und dieses Denken zieht sich heute durch unser gesamtes Portfolio.
Das spiegelt eine umfassendere Positionierung wider: Frauscher versteht sich als Partner, der bereit ist, mit Kundinnen und Kunden, Integratoren und Branchenverbänden die Cybersecurity-Herausforderungen zu adressieren, die die Digitalisierung für den Bahnsektor mit sich bringt – und nicht nur Mindestanforderungen zu erfüllen, wenn sie entstehen.
Im Lichte der mit Dezember 2027 in Kraft tretenden Regulierungen durch den EU Cyber Resilience Act stärkt Frauscher seine Cybersecurity-Maßnahmen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg weiter. Mit der IEC 62443-4-1-Zertifizierung und der aktiven Vernetzung in Branchenstandard-Gremien ist Frauscher gut aufgestellt, um Kundinnen und Kunden durch ein regulatorisches Umfeld zu begleiten, das sich noch im Entstehen befindet – und dabei Betriebssicherheit und Cybersecurity als Kern jeder neuen Entwicklung zu bewahren.

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Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) hat einen umfassenden Leitfaden zum Cyber Resilience Act (CRA) veröffentlicht. Er unterstützt Hersteller, Integratoren und weitere Akteure der Bahnbranche dabei, die neuen EU-Cybersecuritysanforderungen sektorspezifisch und praxisnah umzusetzen – von Rollendefinitionen über Produktklassen bis hin zu Melde- und Übergangsregelungen. Den vollständigen Leitfaden gibt es hier zum Download.

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