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Frauscher Marketing
09. Juli 2026 | 7 Minuten Lesezeit
Von Paris bis Chengdu setzen Stadtplaner auf Straßenbahnsysteme als Rückgrat nachhaltiger urbaner Mobilität. Dieser Anspruch stellt neue Anforderungen an die Signaltechnik, die diese Netze sicher hält. Die Straßenbahndetektion behandelt nicht einfach eine verkleinerte Version des Schienenverkehrs. Urbaner Schienenverkehr stellt eine eigenständige technische Herausforderung dar, geprägt von Rillenschienen, elektromagnetischen Störungen, städtischem Unrat und Umgebungsbedingungen, für die konventionelle Systeme nicht zwangsläufig ausgelegt sind. Frauscher entwickelt seit mehr als einem Jahrzehnt maßgeschneiderte Lösungen für dieses Umfeld und setzt Achszähltechnologie weltweit in Straßenbahnnetzen ein.
Gerade das städtische Umfeld, das Straßenbahnen für Fahrgäste so attraktiv macht, stellt die zuverlässige Zugdetektion mittels Achszählern mit induktiven Radsensoren vor besondere Herausforderungen. Möglich ist sie dennoch. Straßenbahngleise verlaufen durch die Straßen der Stadt, in denen Rillenschienen und eingebettete Schienen Standard sind, Metallreste sich in Sensornähe ansammeln, Bahnübergänge ein Vielfaches an Variablen aufweisen und Haltestellen bei starkem Regen regelmäßig überflutet werden. Elektromagnetische Störungen durch Fahrantriebe, Vibrationen, bauliche Einschränkungen auf Straßenniveau sowie das Zusammenspiel von Straßenbahnen und Stadtverkehr stellen Anforderungen an die Zugdetektion, denen konventionelle Signaltechnik nicht zwangsläufig gewachsen ist.

Die induktive Achszählung überwindet diese Einschränkungen, indem sie das Rad eines Fahrzeugs direkt erfasst – mittels elektromagnetischer Prinzipien, die von Natur aus widerstandsfähig gegen die Störmuster elektrifizierter urbaner Umgebungen sind. Der Frauscher Advanced Counter FAdC®, zertifiziert nach CENELEC SIL 4, bildet den Kern des Frauscher-Portfolios für Straßenbahnanwendungen. Seine modulare Architektur, konfigurierbare Kommunikationsschnittstellen und intelligenten Softwarefunktionen ermöglichen die Anpassung an Infrastruktur, Protokolle und Betriebsanforderungen jedes Netzes sowie an ein breites Spektrum an Schienenfahrzeugen – ohne Kompromisse bei der Sicherheit. Streckenseitig wird der Radsensor mit der Schienenklaue SK420 montiert – der optimalen Lösung für eingebettete Schienen und Rillenschienen, ganz ohne Gleisbohrung.
Die Erfahrung von Frauscher im Straßenbahnbereich zeigt sich am besten in den Projekten selbst. Jede Installation hat eine eigene Herausforderung gelöst, und gemeinsam zeichnen sie die Entwicklung eines Achszählsystems nach, das sich zu einem globalen Standard für die urbane Zugdetektion entwickelt hat.
In Bordeaux, Frankreich, wurde die Erweiterung der Linie D zum ersten französischen Straßenbahnsystem mit einer Achszähllösung von Frauscher. Die eingleisigen Abschnitte der Strecke – auf denen Straßenbahnen ohne Sichtkontakt als zusätzliche Sicherheit in beide Richtungen verkehren– – erforderten absolutes Vertrauen in die Gleisfreimeldung. Der FAdC® wurde gemeinsam mit dem Frauscher Radsensor RSR180 eingesetzt, um die SIL 4-Anforderungen zu erfüllen. Dabei kam erstmals eine wegweisende Innovation im Regelbetrieb zum Einsatz: Counting Head Control, kurz CHC. Diese patentierte Funktion versetzt bestimmte Zählpunkte unter definierten Bedingungen in den Standby-Modus und unterdrückt so Fehlbelegungen, die durch städtischen Unrat – Getränkedosen, verstreute Metallteile – auf Rillenschienen im Straßenraum entstehen können. Zusätzliche Hardware ist dafür nicht erforderlich.


Mit dem von RATP betriebenen Straßenbahnnetz der Île-de-France wuchs die Herausforderung deutlich. Das Netz bedient täglich mehr als eine Million Fahrgäste auf 11 Linien und über 100 Kilometern Gleislänge in der Region Paris und stellte damit sowohl eine bedeutende technische Aufgabe als auch eine anspruchsvolle kommerzielle Hürde dar. Der Zulassungsprozess von RATP – mit sechs Monaten Betriebstests, einer vollständigen RAMS-Analyse, Design- und Produktionsaudits sowie einer Cross-Acceptance-Validierung – zählt zu den anspruchsvollsten im europäischen Stadtschienenverkehr. Frauscher schloss den Prozess erfolgreich ab: Der FAdC® Achszähler und RSR180 Radsensoren wurden im Depot der Linie T8 in Villetaneuse als Referenzinstallation für die Zulassung installiert. Diese eröffnete den Zugang zum gesamten Straßenbahnnetz der Île-de-France und etablierte Frauscher als Standardlösung für die Achszählung im laufenden Ausbauprogramm der Region.
In China hat Frauscher über mehrere Städte hinweg eine umfangreiche Referenzbasis im Straßenbahnbereich aufgebaut. Die Straßenbahnlinie 2 in Chengdu – die erste Straßenbahnlinie der Stadt und die erste Strecke in China die mit dem FAdC® ausgestattet wurde – stellte zwei intelligente Funktionen auf einem Y-förmigen Netz von 39,3 Kilometern und 47 Haltestellen auf die Probe: CHC, das Fehlzählungen durch Unrat auf innerstädtischen Gleisen unterdrückt, und Supervisor Track Section (STS), das reguläre Gleisabschnitte mit konfigurierten virtuellen Supervisor-Abschnitten überlagert und automatische Resets ohne manuellen Eingriff ermöglicht. Gemeinsam reduzieren beide Funktionen den betrieblichen Aufwand in dicht besiedelten urbanen Umgebungen.


In Guangzhou adressierte die Linie 1 in Huangpu die kombinierten Anforderungen von Protokollflexibilität und Hochwasserbeständigkeit. Die Integration mit RSSP-I – dem Standard des chinesischen Eisenbahnministeriums – wurde durch die konfigurierbare Ethernet-Schnittstelle des FAdC® ermöglicht. Chinesische und österreichische Teams entwickelten dafür gemeinsam erstmals ein nach CENELEC SIL 4 zertifiziertes COM-RSSP101 Board. Die IP68-Schutzklasse des RSR180 gewährleistete zuverlässige Detektion über 14,4 Kilometer und 20 Haltestellen hinweg, trotz regelmäßiger, Taifun-bedingter Überflutungen des Gleisbetts.
Diese Projekte stellen nur eine Auswahl der weltweiten Straßenbahnreferenzen von Frauscher dar. Von Taiwan über Frankreich, Algerien und die Schweiz bis weit darüber hinaus hat sich der FAdC® in einer Vielzahl von Netzen, Klimazonen und Betriebsbedingungen bewährt.
Der rote Faden, der sich durch Bordeaux, Paris, Chengdu und Kaohsiung zieht, ist nicht einfach ein gemeinsames Produkt – es ist ein gemeinsamer Ansatz. Die Straßenbahnlösungen von Frauscher basieren auf einem modularen System, das seine Schnittstellen anpasst, seine intelligenten Funktionen konfiguriert und die Umgebungs- und Sicherheitsanforderungen jedes Straßenbahnnetzwerks erfüllt, ohne architektonische Kompromisse einzugehen.
Das Frauscher Diagnostic System FDS unterstützt Betreiber bereits heute mit detaillierten Ereignisprotokollen und lokaler Fehlerbehebung. Frauscher Insights stellt den nächsten Schritt dar: eine Diagnoseplattform, die vorausschauende statt reaktiver Wartung ermöglicht. Indem potenzielle Probleme erkannt werden, bevor sie den Betrieb beeinträchtigen, trägt sie zur Reduktion von Ausfallzeiten bei – ein wesentlicher Vorteil in hochfrequentierten urbanen Umgebungen, in denen jede ungeplante Störung unmittelbare Auswirkungen auf Fahrgäste und städtische Mobilität hat.
Da Straßenbahnnetze in immer dichtere urbane Strukturen hineinwachsen und Betreiber höhere Taktfrequenzen bei geringeren Betriebskosten anstreben, wird die Nachfrage nach sicheren, robusten und intelligenten Detektionssystemen weiter steigen. Frauscher ist bereit, diesen Anspruch zu unterstützen – als „Partner for confidence“ über den gesamten Lebenszyklus des Netzes hinweg.

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